Politik
Teller-Trog-Tank

In der Schweiz gilt der Grundsatz, dass Pflanzen zuerst als Nahrungsmittel, dann als Futtermittel und erst zuletzt als Treibstoff verwendet werden sollen. Unter den derzeitigen Förderbedingungen erscheint es unwahrscheinlich, dass die ackerbaubasierte Produktion von biogenen Treibstoffen in der Schweiz künftig überhaupt eine Rolle spielen wird . Im Vordergrund stehen biogene Treibstoffe, welche aus biogenen Abfällen und Reststoffen gewonnen werden.

Wie im Positionspapier des Bundesamtes für Energie BFE festgehalten wird, hat grundsätzlich eine möglichst sparsame und rationelle Nutzung der Energie Priorität. In der Biomasse-Strategie des Bundes ist die Priorität der Nahrungsmittelproduktion vor der energetischen Nutzung von Biomasse festgehalten. Zudem hält das Bundesamt für Energie weiterhin am Prinzip fest, dass die energetische Nutzung von Biomasse weder im Inland noch im Ausland zu direkten oder indirekten Verdrängungseffekten bei der Nahrungsmittelproduktion oder der Biodiversität führen darf.

Die Schweiz hat in der Erarbeitung von sozialen und ökologischen Kriterien für nachhaltige biogene Treibstoffe eine internationale Vorreiterrolle eingenommen. Hierfür wurde der Roundtable on sustainablebiofuels eingerichtet.

Gesetzgebung

In der Schweiz findet die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU keine Gültigkeit. Mit dem Kyoto-Protokoll hat sich die Schweiz jedoch verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Für die Erreichung dieses Ziels gilt in der Schweiz seit 1.1.2013 das CO2-Gesetz und die CO2-Verordnung, die das Parlament per 1.7.2020 revidieren muss. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Mit dem CO2-Gesetz werden Importeure von Benzin, Diesel und Erdgas verpflichtet, zwischen 2014 und 2020 durchschnittlich 5 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrssektors im Inland zu kompensieren. Der Bund schreibt folgende Kompensationsleistungen vor:
  • 2% für die Jahre 2014 und 2015

  • 5% für die Jahre 2016 und 2017

  • 8% für das Jahr 2019

  • 10% für das Jahr 2020


Mehr Infos auf: http://www.bafu.admin.ch/klima/12325/12349/12350/index.html?lang=de

Weiter zum Thema Zertifizierung

Umsetzung

Für die Umsetzung dieser Kompensationspflicht setzt sich die Stiftung KLIK ein http://www.klik.ch. Es handelt sich dabei um eine Kompensationsgemeinschaft, welche Projekte unterstützt, die den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren.

Das grösste Potenzial zum Einsparen von CO2-Emissionen bieten nach wie vor die flüssigen Biotreibstoffe.

Weitere Massnahmen

Als weitere Förderungsmassnahme sind in der Schweiz biogene Treibstoffe seit dem 1. Juli 2008 von der Mineralölsteuer befreit, sofern sie ökologischen und sozialen Mindestanforderungen genügen. Die Kriterien umfassen die Reduktion von CO2 und der Umweltbelastung, den Erhalt des Regenwaldes und der Biodiversität sowie die Berücksichtigung der indirekten Auswirkungen.

Im Einzelnen bedeutet das:
  • Biotreibstoff, welcher aus Abfällen und Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft und aus der Restauration (Frittenöl) gewonnen wird, ist auf jeden Fall steuerfrei.

  • Treibstoffe aus Raps oder Zuckerrohr erhalten die Steuererleichterung nur, wenn im Einzelfall der Nachweis einer positiven ökologischen Gesamtbilanz erbracht wird. Bisher ist dies nicht gelungen.

  • Der Anbau von Palmöl, Soja oder Getreide gilt als Bedrohung für den Regenwald und die Biodiversität. Somit erhalten diese keine Steuererleichterung.
 
 
 
Markt und Entwicklung
Der Anteil biogener Treibstoffe in der Schweiz lag im Jahr 2010 lediglich bei 0,17 %. Im Jahr 2015 stieg dieser Wert auf 1,2 Prozent des Treibstoffabsatzes. Eine weitere markante Steigerung ist absehbar. Auslöser ist das per 1.1.2014 in Kraft getretene CO2-Gesetz. Dieses verlangt von der Mineralölwirtschaft, bis 2020 durchschnittlich 5% der CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu kompensieren.

Biodieselmarkt Schweiz

Bis vor zwei Jahren verkauften die inländischen Hersteller sowie die Importeure von Biodiesel ihre Ware zu einem grossen Teil an Betreiber von LKW-Flotten und Baumaschinen. An der Tankstelle ist reiner Biodiesel (B100) praktisch verschwunden, das Geschäft hat sich mengenmässig nicht gelohnt. Seit Herbst 2012 stiegen die Importe markant. An vielen Tankstellen wird unterdessen B7 - Mineralöldiesel mit einem nicht zu deklarierenden Anteil von 7% Biodiesel - verkauft.

Seit dem 1. Januar 2013 ist nur noch auf Altstoffen und Abfällen basierender Biodiesel von der Mineralölsteuer befreit. Die beiden Pilotbetriebe, die Überschussmengen an Raps zu Treibstoff verarbeiteten, haben ihren Betrieb per Ende 2012 den neuen Anforderungen angepasst.

Die Oberzolldirektion (OZD) hat ihre Praxis beim Erteilen der Steuererleichterung deutlich verschärft. Die Situation ist sowohl für die Behörden als auch für die Gesuchsteller unbefriedigend. Zurzeit erarbeitet der Verband in Absprache mit der OZD ein Konzept für den Nachweis der ökologischen und sozialen Mindestanforderungen sowie die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette von den Rohstoffen bis zur Lieferung des biogenen Treibstoffes in die Schweiz.

Bioethanolmarkt Schweiz

Bioethanol ist in der Schweiz beigemischt zu Benzin Bleifrei 95 oder als E85 erhältlich. Beimischungsquoten von bis zu 5% sind nicht deklarationspflichtig. E85 besteht aus 85% Bioethanol und 15% Bleifrei 95. Der Zusatz von 15% Benzin ist zur Verbesserung der Kaltstartfähigkeit notwendig. E85 eignet sich ausschliesslich für Flex-Fuel-Vehicles (FFV). Rund 50 Tankstellen bieten schweizweit E85 an, Tendenz mangels Nachfrage abnehmend.

Auch beim Bioethanol sind die - ausschliesslich importierten - Mengen seit 2014 stark gestiegen. Den Nachweis der ökologischen und sozialen Mindestanforderungen für Bioethanol zu erbringen, ist jedoch ungleich schwieriger als bei Biodiesel. Das Gesetz verlangt zwar die Akzeptanz der technischen Standards. Die Behörden sind aber nicht bereit, eine aus technischen Gründen unvermeidliche Massenbilanzierung, und sei ist nur in klar umschriebenen Teilbereichen, zu akzeptieren.

[1].

[1] Biethanol: Marktöffnung voller Hindernisse, EFD (2010)

 
 
 
Biotreibstoffe
Biotreibstoffe basieren auf Biomasse.

In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf tierischen oder pflanzlichen Abfall- und Reststoffen. Diese erneuerbaren Treibstoffe erfreuen sich durch die Klimadiskussion und der daraus resultierenden Gesetze einer steigenden Nachfrage.

Bei den heute üblichen flüssigen Biotreibstoffen stehen Bioethanol als Benzinersatz und Biodiesel sowie HVO als Dieselersatz im Vordergrund. Biogas mit derselben Molekularstruktur wie Erdgas (Methan/CH4) gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die Hoffnungsträger der Zukunft sind die synthetischen Treibstoffe. Diese sind bis zum heutigen Zeitpunkt noch zu wenig ausgereift, um marktfähig zu sein. Experten erwarten eine Kommerzialisierung der synthetischen Treibstoffe in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Durch die Konkurrenz zu der Nahrungsmittelproduktion sind Biokraftstoffe in der Vergangenheit oft in Kritik geraten. In der Schweiz basieren Biotreibstoffe ausschliesslich auf Abfall- und Reststoffen. In der EU sind durch die Anrechnung der Treibhausgaseinsparungen ähnliche Tendenzen zu beobachten. Mehr dazu in der Rubrik Ethik.
 
 
 
Die drei Generationen
Bei Biotreibstoffen wird zwischen der ersten, zweiten und dritten Generation unterschieden. Zur ersten Generation gehören Pflanzenöl-Kraftstoffe, Biodiesel und Bioethanol. Während bei der ersten Generation nachwachsende Rohstoffe wie Ölsaaten oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion dienen, sind es bei der zweiten Generation Abfälle und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft wie Holz, Ernterückstände, Energiepflanzen und Papier sowie tierische Fette. Diese stehen weder mit Nahrungs- noch mit Futtermitteln in Konkurrenz. Biotreibstoffe der dritten Generation stehen in der Entwicklungsphase. Biodiesel aus Algen sowie synthetische Kraftstoffe seien als Beispiele genannt. Diese weisen eine höhere Biomasse-Produktivität pro Fläche auf als herkömmliche Energiepflanzen. Teilweise ist es jedoch schwierig, die drei Generationen klar zu trennen. So sprechen Spezialisten auch von Biotreibstoffen der ersten Generation und solchen der nächsten Generationen.
 
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